Monat: September 2021

Enkelfähigkeit – was Familienunternehmen von Haniel lernen können

Die kommenden Inhabergenerationen für das eigene Familienunternehmen zu begeistern und die Weichen für nachhaltiges Unternehmertum zu stellen, erfordert ein großes Herz und einen klaren Verstand.

Inhaber sind Mitunternehmer

Wir befinden uns in der Erbengeneration, in der das erwirtschaftete Vermögen der Nachkriegsgenerationen an die Erben weitergereicht wird. Auch in vielen Familienunternehmen werden Anteile und Beteiligungen innerhalb der Familie an die nächste Generation übertragen. Weil dies oft nicht mehr mit einer aktiven Mitarbeit im Unternehmen verbunden ist, entfällt vermeintlich die Notwendigkeit, die Nachfolger für dieses Erbe bzw. die Rolle als künftige Inhaber zu qualifizieren. Man konzentriert sich in erster Linie auf die Führungsnachfolge und vernachlässigt, sich aktiv auf die neue Eigentümergeneration vorzubereiten, was durchaus zum Risiko werden kann. Mitinhaber von Familienunternehmen sind keine Aktionäre, sondern Entscheider und somit Mitunternehmer, auch dann, wenn sie nicht operativ mitarbeiten

Die Zeiten ändern sich für Familienunternehmen

Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen eigenen Einstieg als Gesellschafter in unser Familienunternehmen nach dem Motto  „… wir gehen zum Notar, wir übertragen dir Anteile, dann wirst du Gesellschafter und alles Weitere wirst du dann schon lernen“.  Und ich war damit nicht der einzige… in vielen Gesprächen mit anderen Nachfolgern aus meiner Generation konnte ich feststellen, dass es bei ihnen durchaus ähnlich gelaufen ist. Und es hat zuallermeist auch gut funktioniert. Aber die Zeiten ändern sich. Die Welt ist komplexer geworden, Unternehmen sind gewachsen, Entwicklungen und Veränderungsgeschwindigkeiten haben zugenommen. Dies führt zum Anstieg wichtiger Entscheidungen für Unternehmensinhaber, worauf sie gut vorbereitet werden sollten. Und hinzu kommt… die Menschen ändern sich. Ich nehme die junge Generation als reflektiert und verantwortungsvoll gegenüber sich selbst, ihren Mitmenschen und gegenüber unserem Planeten, wahr. Sie sind gut ausgebildet, interessiert, kritisch und aktiv. Im Rahmen meiner Arbeit nehme ich an zahlreichen Gesellschafterversammlungen teil und es zieht sich ein roter Faden hindurch, nämlich, dass es oftmals die jungen GesellschafterInnen sind, die Themen und Entscheidungen intensiv hinterfragen, sich diese ausführlich erklären lassen und sehr wohl prüfen, ob dies mit ihren eigenen Werten übereinstimmt.

Enkelfähigkeit – ein Blick auf Haniel

Wie können Familienunternehmen sich mit Blick auf die nächsten Generationen aufstellen, um diesen ein attraktives Angebot zu machen? Ein Blick auf die Website www.enkelfaehig.de des Familienunternehmen Haniel kann gute Impulse geben:

„Enkelfähig – Wert schaffen für Generationen

Enkelfähig ist ein neues Wort für einen alten Anspruch des Unternehmens Haniel. Es gilt, wirtschaftlichen Wert zu schaffen und gesellschaftliche Werte zu stärken. Wer das will, muss das große Ganze verstehen: Wie verändern ökonomische Entscheidungen die Welt, in der wir leben – und die der Generationen, die nach uns kommen? Und welchen Beitrag kann jeder Einzelne durch sein individuelles Handeln leisten? …

Haniel will enkelfähig sein und durch unternehmerisches Handeln gute Zukunftsaussichten für viele Generationen sicherstellen. Enkelfähig zu sein bedeutet, eine starke Wertorientierung gepaart mit modernem, unternehmerischem Denken und klarer Performance-Orientierung. „

 (Auszüge aus der Website www.enkelfaehig.de von Haniel)

Gemeinsam sind wir stärker

Was im großen Familienkonzern wie Haniel möglich ist, geht genauso gut im Handwerksbetrieb oder im mittelständischen Handels-, Dienstleistungs- oder Produktionsunternehmen. Familienunternehmen werden auch künftig ein Erfolgsmodell sein, weil sie mehr sind als nur ein Wirtschaftsunternehmen. Sie achten darauf, dass mit Kunden, Mitarbeitern und Geschäftspartnern respektvoll und wertschätzend umgegangen wird. Es ist ihnen wichtig, dass Produkte und Leistungen nachhaltig erstellt werden. Im Sinne eines „guten Nachbarn und Bürgers“ übernehmen sie Verantwortung in der Region, in der sie tätig sind. Oft engagieren sie sich sozial oder philanthropisch….  Jeder von uns kann seinen Beitrag leisten, die Welt für unsere Kinder und Enkelkinder ein klein wenig besser zu machen. Gemeinsam mit anderen aber sind wir stärker, haben einen größeren Hebel und können somit einen noch größeren Beitrag leisten. Familienunternehmen bieten sich hierfür an. Mit anderen gemeinsam etwas selbst bestimmt gestalten und die Welt gemeinsam ein klein wenig besser machen… was kann es für ein schöneres Angebot an junge Menschen geben?

Sinnhaftigkeit und Werte kommen aus der Unternehmerfamilie

Enkelfähig zu werden geschieht nicht von selbst. Zwar sind in den letzten Jahren zahlreiche Qualifizierungsangebote für werdende Familiengesellschafter entstanden. Hochschulen und Fortbildungsunternehmen bieten hochrangige Seminare und Trainingsprogramme für künftige Gesellschafter an. Aber ich bin überzeugt davon, dass man „Enkelfähigkeit“ nicht nur an externe Ausbilder delegieren kann. Das Fundament dafür liegt tief im eigenen Familienunternehmen. Aus dem Zusammenleben und -arbeiten von Menschen über die Generationen hinweg entwickelt sich Unternehmertum, Wert und Werte, für die es sich lohnt, sich einzusetzen.

Nachhaltiges Unternehmertum

Enkelfähig zu werden und zu bleiben erfordert Fürsorge, muss gepflegt werden und ist wichtiger Bestandteil der strategischen Ausrichtung eines Familienunternehmens. Es braucht gute Führung und konstruktiven Dialog, Erfolge und Niederlagen aus denen man lernt, Unternehmertum mit Visionen und Pragmatismus, persönliche Leidenschaft, eine gute Streitkultur in der Familie und im Unternehmen und vieles mehr. Aber vor allem braucht es die Menschen, die mit viel Herz und Verstand an der Enkelfähigkeit ihrer Familienunternehmen arbeiten, weil sie über sich hinausschauen und die Sinnhaftigkeit darin erkennen. Das ist mein persönliches Verständnis von nachhaltigem und gelebtem Unternehmertum.

Über den Autor:
Der Family Business Advisor Toni Plonner berät seit über 25 Jahren Unternehmer/innen und Unternehmerfamilien und gilt als einer der erfahrensten Berater für Familienunternehmen. Zudem ist er als Beirat und Aufsichtsrat in namhaften Familienunternehmen tätig.

In diesem Blogbeitrag wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet.